Ein klitzekleinwenig München

Zum ersten Mal bin ich in München. Eine Stadt, die ich mir extrem spießig vorstelle. Am Flughafen nehme ich ein Taxi und sehe erstmal nichts als schneebedeckte Felder. In der Innenstadt zeigt mir der Taxi-Fahrer ein Hotel, in dem die Könige der Nationen übernachten, wenn sie für wichtige Konfenzen nach München kommen. Ich drehe meinen Kopf nach links und bleibe mit dem Blick am „Künstlerhaus“ hängen. Ich frage mich, was es da wohl gibt – Ausstellungen? Lesungen? Ich will sofort hin. Der Mann am Steuer reißt mich aus meinen Gedanken: „Da ist das Hotel! Da, die Straße rein.“ Er ärgert sich, weil ich in die komplett verkehrte Richtung gucke, wo er doch den City-Guide spielen will. Ich bin höflich und tue so, als würde ich mir das Hotel um die Ecke vorstellen.
München ist faszinierend. Vom ersten Moment an will ich jedes Detail entdecken, spüren, verstehen. Was für eine schöne, prachtvolle Stadt, denke ich mir. Keine Spur von Kriegen, Verwüstungen – ganz anders als in Köln. Die Alleen sind weitläufig, lassen Platz für Mensch und Auto.
Es ist Mittag. Hungrig suche ich ein Restaurant, das ganz anders ist als alle anderen. Ungefähr zwischen Karlsplatz und Marienplatz entdecke ich ein bayerisches. Es ist nicht auf der Haupteinkaufsstraße, sondern auf der Parallelstraße, so gut platziert, dass eigensinnige Touristen das Gefühl haben, sie hätten einen wunderlichen Fund gemacht. An der Tür begrüßt mich eine schöne Frau im Dirndl, die Haare zu Bauernzöpfen geflochten. Am Tisch fragt mich ein Kellner im Trachtenanzug, was ich essen möchte. Dann werde ich auch noch höchstpersönlich vom Restaurant-Inhaber mit „Grüß Gott“ begrüßt. Spontan antworte ich mit „Grüß Gott“ zurück und wundere mich über meine Anpassungsfähigkeit. Vielleicht ist es Einbildung oder der Wunsch, eigentümliche Dinge entdecken zu wollen, jedenfalls kommt es mir so vor, als würden die Münchner sehr herzlich grüßen. Sie schauen einem bewusst in die Augen, neigen sich leicht nach vorne, bevor sie ihr „Grüß Gott“ rausträllern. Lustig finde ich diesen Gruß, der mich am meisten an Meister Eder erinnert.
So spießig sind sie ja gar nicht, denke ich mir. Noch mehr wundere ich mich, als ein Mann, der mit seiner Frau am Nachbartisch sitzt, mich fröhlich anspricht, über das Essen redet und zum Abschied sogar „Ich wünsche Ihnen Erfolg, viel Glück und alles Gute im Leben“, sagt. Ich bin baff.
Einen ganzen Nachmittag und einen ganzen Abend bin ich mit Arbeit beschäftigt. Am nächsten Morgen strahlt die Vorfrühlingssonne über die ganze Stadt, der Himmel ist traumhaft blau. Licht- und sonnendurstige Menschenmengen füllen die Terrassen der Cafés. Ich setze mich in ein originelles Café mit einem Balkon auf der ersten Etage und genieße den Blick auf den Viktualienmarkt. Bald ist es Zeit für die Rückreise. Im Hugendubel kaufe ich mir ein spannendes Buch, im Obletter ein Mitbringsel für die Familie und los geht’s in die alte Heimat Köln.

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