Pina Bausch. Der Tanz in mir

Mich interessiert nicht, wie sich Menschen bewegen, sondern was sie bewegt.

Pina Bausch

Ein Leben für den Tanz, ein Leben mit den Worten des Tanzes. Pina Bausch wird als Kulturexporteurin Nr.1 und Königin des Tanzes gefeiert. Die bedeutendste Choreografin des 21. Jahrhunderts hat die Tanzbühnen revolutioniert und ist 2009 überraschend gestorben. Für ihr Lebenswerk wurde sie 2009 posthum mit dem „Deutschen Theaterpreis Der Faust“, 2008 mit dem Goethe-Preis, 2007 mit dem Kyoto-Preis in der Kategorie Kunst und Philosophie ausgezeichnet, um nur eine bescheidene Auswahl ihrer Auszeichnungen zu nennen.

Pina (ursprünglich Philippina) Bausch wurde 1940 in Solingen geboren. Mit 14 Jahren begann sie ihre Tanzausbildung an der Essener Folkwang-Hochschule unter Kurt Jooss. Vier Jahre später ging sie, ausgerüstet mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, für ein Jahr als Special Student an die Juilliard School of Music nach New York und tanzte anschließend an der Metropolitan Opera. Kurt Jooss war es, der sie bat, nach Essen zurückzukehren und mit ihm am Folkwang-Tanzstudio zu arbeiten. Wenige Jahre später bot ihm der Wuppertaler Intendant Arno Wüstenhöfer die Leitung des Wuppertaler Balletts an.

Er hatte mich dafür auserkoren. Ich wollte das überhaupt nicht. Ich wollte nie an ein Theater gehen. Ich wollte keine Routine. Ich wollte all diese Sachen gar nicht. […] Der hat so lange gefragt, bis ich dann irgendwann sagte: Ja, ich probier das mal.

(aus einem Interview in der Sendung Kultur.21, Deutsche Welle, 4.7.2009.)

So kam es, dass sie zur Spielzeit 1973/74 die Leitung übernahm und das Wuppertaler Ballett in Wuppertaler Tanztheater umbenannte. Eine Tanzrichtung, den Rudolf von Laban entwickelt und Pina Bausch mühevoll etabliert hat.
Denn selbstverständlich war es damals nicht, dass Elemente von Theater und Tanz miteinander verbunden wurden. Die Premiere des Stücks „Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloss, die andern folgen“, das am 22. April 1978 in Bochum uraufgeführt wurde, löste eine Protestwelle aus. Ihre Interpretation von Shakespeares Macbeth führte sie mit Tänzern, Schauspielern und einer Sängerin auf. Die Tänze waren unkonventionell, die assoziative Interpretation des Meisterwerks für das Publikum äußerst befremdlich. Den Unterschied zu anderen Stücken sah sie in der von ihr entwickelten Fragen-Methode. Sie fragte ihre Tänzer nach einem Gefühl, einer Situation oder einem Thema und forderte sie auf, in der Sprache des Tanzes zu antworten. An diesem Ansatz hielt sie fest und stellte Tänzern aus unterschiedlichen Kulturen Fragen. Aus den Antworten entstanden ausdrucksstarke, emotional überwältigende Stücke. Stücke, die auch als Film festgehalten werden sollten.

Lange Jahre plante Pina Bausch einen Film mit Wim Wenders. Als die ersten 3D-Filme in die Kinos kamen, schien die richtige Technik für die tief greifenden Stücke gefunden. Pina Bausch setzte zur Spielzeit 2009/2010 vorbereitend zum Film die Stücke „Café Müller“, „Le Sacre du printemps“, „Vollmond“ und „Kontakthof“ aus ihrem Repertoire auf den Spielplan. Einen Tag vor dem 3D-Probedreh, am 30.06.2009, verstarb Pina Bausch, nur fünf Tage, nachdem sie von ihrer Krebserkrankung erfahren hatte. Wim Wenders war erschüttert und wollte das Filmprojekt absagen. Ohne Pina an seiner Seite wollte er keinen Film über ihre Kunst machen. Doch nach Zureden von Künstlern und Kollegen, sah er ein, dass er den Film gerade Pina Bausch zuliebe machen musste. Ein neues Konzept entstand. Die liebevolle Hommage an die großartige Choreografin „Pina. Tanzt, tanzt sonst sind wir verloren“ wurde auf der Berlinale 2011 uraufgeführt.
Und es wird weiter getanzt. Das Wuppertaler Tanztheater ist weltweit auf Tournee und begeistert das Publikum mit den atemberaubenden Stücken der Pina Bausch.

Der Artikel ist ursprünglich 2011 im de facto Magazin erschienen.

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