Rezension: „Wir sehen alle denselben Mond” von Biggi Mestmäcker

Drei Menschen, mit Liebe verbunden und ein Krieg, der sie auseinanderreißt

Elias nimmt die lebensgefährliche Reise von Syrien nach Deutschland auf sich. Frau und Sohn sollen bald folgen – so der Plan, wären da nicht die hohen Mauern der Bürokratie in Deutschland und anderswo. Zuerst hört es sich einfach an: Asylantrag stellen, Pass abholen, per vereinfachtem Familiennachzug die Familie in die Arme schließen. So schwer kann das ja nun nicht sein. Doch die Realität sieht anders aus.

Meine Netzwerkkollegin Biggi Mestmäcker erzählt in ihrem deutsch-arabischen Buch „Wir sehen alle denselben Mond. Gegen alle Widerstände – Familiennachzug  aus Syrien. Ein Bericht”, wie sie einem Geflüchteten aus Syrien hilft, seine Familie 
nachzuholen. Ein Kraftakt ohnegleichen.

Nichts, wirklich nichts ist einfach und schon gar nicht selbstverständlich. Aber Elias hat Glück: Er lernt bei einem Kochevent für Geflüchtete Biggi kennen. Von da an kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Sie werden Freunde.

Alles in Gang setzen, was geht

Auch für Biggi heißt es von nun an Warten, Hoffen, Bangen. Auf keinen Fall möchte sie, dass Elias zurückgeht, was den sicheren Tod für ihn bedeuten würde. Elias verliert aber immer mehr den Mut. Doch er muss kämpfen – für sich und seine Familie. Biggi setzt alles Erdenkliche in Gang, um den Familiennachzug aus Syrien voranzubringen. Sie telefoniert, recherchiert, schreibt Briefe, aktiviert Kontakte und Netzwerke – weltweit!

Dass die Geschichte mit einem Happy End ausgeht, ist kein Geheimnis. Ich habe sie sogar in Echtzeit grob über Facebook verfolgt. Dennoch konnte ich das Buch weder loslassen noch konnte ich die Tränen aufhalten, die bis zur letzten Seite zu meinem ständigen Begleiter wurden.

Spannend wie ein Krimi, kristallklar wie ein Bericht

Jetzt wollte ich es aber ganz genau wissen: Wie schaffen es Biggi und Elias, die Familie nach Deutschland zu holen? Wie eine geflüchtete Frau mit einem minderjährigen Kind von Deutschland aus unterstützen und lotsen, die noch nie Damaskus verlassen hat?

Biggi Mestmäckers Bericht liest sich wie ein atemberaubender Krimi, der wütend und traurig zugleich macht.

Am Ende bleibt nicht ein Gefühl von „Also, geht doch!”. Das wäre schön. Nein. „Warum diese Schikane?”, habe ich mich immer wieder gefragt.

Erleichterter Familiennachzug? Eine Farce.

Detaillierte Schilderungen der bürokratischen Abläufe in „Wir sehen alle denselben Mond” zeigen, dass es für einen Otto-Normal-Geflüchteten so gut wie unmöglich ist, eine Odyssee wie diese selbstständig zu managen.

Kritisch, kristallklar und superspannend geschrieben.

Danke, Biggi, dass es dich gibt.
Danke für dein Engagement.

Und nicht zuletzt bin ich ziemlich stolz, weil ich in der Danksagung vorkomme.

Das Buch gibt es hier zu bestellen. Oder in eurem Lieblingsbuchladen um die Ecke. Okay, auch bei Amazon.

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